Rebecca Reusch – Verschwunden im Morgenlicht

15 Jahre · zuletzt gesehen am 18. Februar 2019 · Berlin-Britz

Es ist ein Februarmorgen, wie es viele in Berlin gibt: das Licht über den Reihenhaussiedlungen Britz' kühl, der Verkehr auf dem Buckower Damm schon dicht. Im Maurerweg schließt um sieben Uhr früh ein Mann die Haustür hinter seiner Frau, die zur Arbeit fährt. Im Haus, so glauben es alle, schläft seine fünfzehnjährige Schwägerin auf dem Sofa. Rebecca Reusch hat dort übernachtet, weil sie am nächsten Tag direkt von dort zur Schule aufbrechen will. In der Schule ist sie jedoch nicht erschienen. Im Haus wurde nichts zurückgelassen, ihr Telefon ist ausgeschaltet. Etwas ist passiert an jenem Tag, zwischen sieben und zehn Uhr morgens – aber niemand hat es gesehen, niemand hat es gehört, niemand will es zugeben.

Was folgt, ist eine der größten Suchaktionen der jüngeren Berliner Polizeigeschichte. Hunde durchstreifen die Wälder rund um Großziethen, Drohnen kreisen über Feldern in Brandenburg. Hundertfach werden Hinweise registriert, ausgewertet, verworfen. Was sich aber an Hartem ergibt, läuft auf einen Punkt zu: den himbeerroten Renault Twingo des Schwagers und seiner Frau, Rebeccas Schwester. Mautkameras der A12 fangen den Wagen am Verschwindenstag und am Tag danach ein – auf dem Weg in Richtung polnische Grenze und wieder zurück. Wofür diese Fahrten? Der Schwager war zu diesem Zeitpunkt der Einzige, der Zugriff auf das Auto hatte. Eine schlüssige Erklärung gibt es bis heute nicht. In dem Auto finden Spurensicherer Rebeccas Haare und Spuren einer aus dem Haushalt der Schwester verschwundenen lilafarbenen Decke. Der Schwager wird zum einzigen Tatverdächtigen, zweimal festgenommen, zweimal wieder entlassen, weil das Beweismaterial eben nicht ausreicht. Er schweigt, soweit es geht.

Die Staatsanwaltschaft Berlin prüft den Fall seit 2025 erneut wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts. Sie geht davon aus, dass Rebecca im Haus zu Tode kam und ihr Körper anschließend mit dem Twingo weggebracht wurde. Wohin – das ist die Frage, die seit über sechs Jahren über dem Fall hängt wie ein Nebel, der nicht weichen will. Im Oktober 2025 lassen die Ermittler aufhorchen: Mit über hundert Einsatzkräften wird ein Grundstück im brandenburgischen Tauche durchsucht, das der Großmutter des Schwagers gehören soll. Die Staatsanwaltschaft bestätigt, es gebe Hinweise, der Schwager habe Rebecca möglicherweise dort zumindest zwischenzeitlich abgelegt. Der Wald gibt nichts preis. Der Acker gibt nichts preis. Aber die Spur lebt.

Gedenkplakat für die seit 2019 vermisste Rebecca Reusch

Rund um den Fall haben sich Spekulationen gebildet, wie es bei Fällen dieser Wucht immer geschieht. Eine Zeugin meldet sich 2024 bei der Bild und berichtet, sie habe am Tag des Verschwindens am Rand eines Feldes in Großziethen ein Zelt über einem Gullydeckel gesehen, daneben einen pinken Twingo. Eine zweite Erzählung handelt von einer Internetbekanntschaft, einem etwa gleichaltrigen Jungen, mit dem Rebecca sich heimlich getroffen haben soll und der unmittelbar nach Bekanntwerden des Falles seine Profile löschte. Die Polizei arbeitet ihn ab, ohne ihn belasten zu können. Eine dritte, in Boulevard- und True-Crime-Formaten breit diskutierte Lesart kreist um eine angebliche persönliche Spannung zwischen Schwager und Schwägerin. Belege dafür gibt es öffentlich nicht.

Wie sah Rebecca zum Zeitpunkt ihres Verschwindens aus?

Rebecca war ein schlanker, ungewöhnlich großer Teenager – zwischen 1,70 und 1,80 Meter – mit braunen, schulterlangen Haaren. Am Morgen des 18. Februar 2019 trug sie einen weißen Hoodie mit der Aufschrift „Rap Monster", eine pinke Plüschjacke, eine zerrissene Bluejeans und schwarze Vans-Sneaker. Bei sich hatte sie einen roten Rucksack und eine auffallend große beige-rosafarbene Handtasche.

Ein Porträtfoto von Rebecca Reusch

Wer hat eine Antwort auf folgende Fragen?

Wofür wurde der Twingo zweimal Richtung Frankfurt an der Oder bewegt? Wenn ein Tötungsdelikt geschah – wo ist der Ablageort? Wer hat Rebecca am Morgen des 18. Februar 2019 gesehen? Wer hat Rebecca nach dem 18. Februar noch gesehen?

Sachdienliche Hinweise bitte an die 3. Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin in der unter folgender Rufnummer (030) 4664-911333, per E-Mail unter lka113-hinweis@polizei.berlin.de oder anonym über das Hinweisportal (BKMS) der Berliner Polizei unter hinweisgebersystem.lka-berlin.de.