Deborah Sassen – Tausend Schritte vom Schultor nach Hause

10 Jahre · zuletzt gesehen am 27. Januar 1999 · Hamburg-Lurup

Es gibt Wege, die ein Kind hundert Mal geht und beim einundhundertsten nicht mehr nach Hause kommt. Düsseldorf-Wersten, am Mittwoch, dem 13. Februar 1996. Die achtjährige Deborah Sassen, die jeder „Debbie“ nennt, verlässt nach der vierten Stunde die Grundschule am Rheindorfer Weg. Vor ihr liegen rund 900 bis 1.000 Meter Schulweg. Es ist mittags, der Verkehr läuft, irgendwo im Hintergrund die A46. An diesem Mittwoch kommt sie nicht zu Hause an. Niemand sieht sie zwischen Schultor und Wohnungstür. Niemand wird sie je wieder sehen.

Was die Polizei in den folgenden Stunden in Bewegung setzt, ist die größte Suchaktion in der jüngeren Düsseldorfer Geschichte. Zweihundert Beamte werden aus dem Süden der Stadt zusammengezogen, dreißig Diensthunde, ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera. Eine Sonderkommission „Wersten“ wird eingerichtet, vierzig Personen stark. Die Stadt Düsseldorf lobt eine Belohnung von 6.000 D-Mark aus, eine Summe, die für Verhältnisse jener Zeit beträchtlich ist. Es wird gesucht in Garagen, in Hinterhöfen, in Brachflächen, an der Düssel, am Bahndamm, auf den Höfen entlang der Bahnstrecke. Die Hunde nehmen die Witterung am Schultor auf und verlieren sie binnen Metern. Es ist, als sei Debbie nach den ersten zehn Schritten in Luft aufgegangen.

„Es ist, als hätte sich ein Loch aufgetan und sie mit allem, was sie bei sich hatte, verschluckt“, sagte Dietmar Wixfort irgendwann voller Frustration. Er leitete die Sonderkommission Wersten – eine Einheit, die man bei der Polizei selbst nach Monaten nicht „Mordkommission“ nennen wollte, weil man die Hoffnung noch nicht aufgeben wollte. Bis heute tauchte weder ihr Schulranzen noch ihr Turnbeutel wieder auf; nicht einmal ein einzelnes Teil ihrer auffallenden Kleidung wurde je gefunden.

Eine Fährte hat die Düsseldorfer Mordkommission damals beschäftigt: ein beigefarbener Pkw, den Zeugen am Tattag im Bereich der Schule beschrieben. Ein Mann, Norbert H., fuhr damals einen beigen Volvo 242 und wurde frühzeitig überprüft. Der WDR-Format „Lokalzeit MordOrte“ und mehrere True-Crime-Recherchen haben über die Jahre den Namen des verurteilen Sexualmörders, der sich 1997 in Untersuchungshaft erhängte, wieder in den Vordergrund gerückt, ohne dass Polizei oder Staatsanwaltschaft öffentlich von belastbaren Beweisen sprechen.

Gedenkplakat für die seit 2019 vermisste Rebecca Reusch

In Internetforen kursiert seit Jahren eine zweite Erzählung, eine spekulative, in der Debbies Verschwinden in eine Reihe weiterer ungeklärter Vermisstenfälle aus dem Düsseldorfer Süden und aus Köln-Worringen einsortiert wird – polizeilich ist auch dieser Zusammenhang nicht bestätigt. Anfang 2026 wurden die Ermittlungen erneut aufgenommen und Durchsuchungen von Wohnungen und Grundstücken durchgeführt, da es laut Angaben der Polizei konkrete Hinweise auf einen Verdächtigen gäbe; Details werden ermittlungstaktisch zurückgehalten.

Wie sah Deborah („Debbie") zum Zeitpunkt ihres Verschwindens aus?

Debbie war ein zierliches Kind von rund 1,20 Meter Größe, mit hellblonden, glatten, schulterlangen Haaren. Am 13. Februar 1996 fiel sie bewusst farbig auf: rote gemusterte Strumpfhose, dunkelroter Rock mit weißem Muster, eine bunte, gestreifte Weste, eine rote, knielange Daunenjacke und hohe braune Schnürschuhe. Auf dem Rücken trug sie einen McNeill-Schultornister und den Turnbeutel mit ihren Schwimmsachen darin – ein Detail, das ihre Mutter über Jahrzehnte nicht losgelassen hat.

Ein Porträtfoto von Rebecca Reusch

Wer hat eine Antwort auf folgende Fragen?

Wer fuhr am 13. Februar 1996 nach zwölf Uhr den beigen Pkw im Bereich Rheindorfer Weg, Röntgenweg und Wiesdorfer Straße? Warum scheiterten dreißig Diensthunde an einer eindeutigen Spur? Welche damaligen Verdächtigen sollten heute, mit den Möglichkeiten moderner DNA-Datenbanken, neu betrachtet werden?

Sachdienliche Hinweise bitte an das Düsseldorfer Kriminalkommissariat 11 unter der Telefonnummer 0211 870 0 oder jede andere Polizeidienststelle.

Dagmar Funke, Debbies Mutter, ist über die Jahrzehnte das öffentliche Gesicht des Falls geblieben. Sie hat in Interviews gesagt, sie wisse, dass ihre Tochter nicht mehr lebt. Aber sie wolle einen Ort haben, an dem sie weinen kann. Bis heute hat sie diesen Ort nicht.